NEU-ISENBURG. Wer in den vergangenen Monaten durch die Straßen der Hugenottenstadt ging, den mochte bisweilen das unbestimmte Gefühl beschleichen, die Kriminalität habe spürbar zugenommen. Berichte über Rohheitsdelikte, die ständige Präsenz von Warnungen vor neuen Betrugsmaschen im Internet sowie sichtbare Spuren von Vandalismus nähren in Teilen der Bevölkerung ein wachsendes Unbehagen. Das subjektive Sicherheitsgefühl hat seit dem Ende der Corona-Pandemie merklich gelitten. Ein Blick auf die offiziellen Daten der polizeilichen Kriminalstatistik für Neu-Isenburg und den Landkreis Offenbach zeichnet jedoch ein differenziertes Bild, das dieser Wahrnehmung in vielen, wenn auch nicht in allen Bereichen widerspricht.
Die Zahlen der Ermittlungsbehörden zeigen bei der Gesamtkriminalität in Neu-Isenburg eine rückläufige Tendenz. In der jüngsten detaillierten Auswertung der Behörden wurden stadtweit genau 2.076 Straftaten registriert. Damit liegt die Gesamtzahl der Delikte unter den Werten, die vor den pandemiebedingten Einschränkungen gemessen wurden. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl, welche die Straftaten pro 100.000 Einwohner berechnet, fiel stadtweit auf 5.266 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2020.
Bei den Eigentumsdelikten verzeichnen die Register für Neu-Isenburg überwiegend sinkende Fallzahlen. Diebstähle gingen insgesamt von 796 Fällen im Vorjahr auf 740 Fälle zurück. Besonders im öffentlichen Raum zeigt sich eine Entspannung: Ladendiebstähle waren rückläufig, und die Zahl der Taschendiebstähle sank von 34 auf 20 Fälle. Auch der Diebstahl aus Kraftfahrzeugen ging von 67 auf 53 Fälle zurück. Demgegenüber steht jedoch eine Zunahme beim Wohnungseinbruchsdiebstahl, wo die Beamten stadtweit einen Anstieg von 51 auf 61 Fälle registrierten.
Die Diskrepanz zwischen dem Sinken der Gesamtstatistik und dem oft negativen subjektiven Sicherheitsempfinden lässt sich teilweise durch eine Verschiebung der Deliktsarten erklären. Während klassische Diebstähle im öffentlichen Raum zurückgehen, verzeichnen Sachbeschädigungen wie Graffiti oder beschädigte Fahrzeuge in Neu-Isenburg einen Zuwachs um gut elf Prozent auf insgesamt 263 Fälle. Da diese Delikte im Straßenbild unmittelbar sichtbar sind, können sie das alltägliche Sicherheitsempfinden der Bürger stark beeinflussen, obwohl keine direkte körperliche Gefährdung vorliegt.
Tatsächliche Zuwächse verzeichnet die Statistik hingegen im Bereich der Körperverletzungen. In Neu-Isenburg gab es hier zuletzt einen Anstieg um rund 24 Prozent auf 320 Fälle, darunter 210 gefährliche Körperverletzungen. Für die Bewertung des Risikos im öffentlichen Raum ist hierbei jedoch eine behördliche Differenzierung wichtig: Lediglich 30 dieser registrierten Fälle ereigneten sich im öffentlichen Raum. Die überwiegende Mehrheit dieser Taten betrifft das private Umfeld, darunter Beziehungstaten und häusliche Gewalt.
Dieser Trend fügt sich in die Entwicklung des Umlands ein. Im gesamten Landkreis Offenbach verweilt die Kriminalität mit rund 15.014 Fällen auf einem stabilen Plateau. Im langfristigen Vergleich mit dem Jahr 2016, als im Landkreis noch über 16.800 Fälle registriert wurden, bewegen sich die Zahlen weiterhin auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Die polizeilichen Daten stützen die Sorge vor einer pauschalen Kriminalitätsexplosion in Neu-Isenburg nicht. Mit einer Aufklärungsquote von 61,3 Prozent im zuständigen Polizeipräsidium Südosthessen bewegen sich die Ermittlungserfolge auf einem stabilen Niveau. Während die Sorge vor Sachbeschädigungen und dem Anstieg von Körperverletzungen im privaten Raum durch die Statistik untermauert wird, ist das Risiko, im städtischen Raum Opfer eines Diebstahls zu werden, messbar gesunken.
