Vom plötzlichen Aus des Tengelmanns im Sommer 2010 über die Ära des „Hunkel-Marktes“ bis hin zur modernen Versorgung durch REWE und Netto: Ein Rückblick auf anderthalb Jahrzehnte voller Herausforderungen, Bürgerengagement und einem wehmütigen Abschied.
Die Geschichte der Nahversorgung in Gravenbruch ist eine Erzählung von Abschied, Ausdauer und dem Wandel lokaler Strukturen. Wer heute am Dreiherrnsteinplatz seine Einkäufe erledigt, blickt auf eine Zeitspanne zurück, in der unser Stadtteil lernen musste, sich selbst zu behaupten.
Der Schock im Sommer: August 2010
Es war ein tiefer Einschnitt für das tägliche Leben im Stadtteil: Mitte August 2010 schloss der Tengelmann-Markt in der Forsthaus-Galerie endgültig seine Pforten. Was viele befürchtet hatten, wurde bittere Realität. Mit einem Schlag verlor das Einkaufszentrum seinen wichtigsten Ankermieter. Die Galerie, einst stolzes Zentrum Gravenbruchs, geriet in eine Abwärtsspirale aus Leerstand und Verfall, die fast ein Jahrzehnt andauern sollte.
Netto (ehemals Plus): Der Fels in der Brandung
In dieser schwierigen Phase gab es jedoch eine Konstante, die man nicht hoch genug schätzen kann: Der Netto-Markt (vielen noch als Plus bekannt) blieb über die gesamte Zeit hinweg geöffnet. Als einzige verbliebene Säule der stationären Grundversorgung sicherte er den täglichen Bedarf der Anwohner und verhinderte, dass Gravenbruch gänzlich zur „Einkaufswüste“ wurde.
Der „Hunkel-Markt“: Bürgerwille schafft Abhilfe
Doch ein Discounter allein reichte für einen Stadtteil unserer Größe nicht aus. Auf massiven Druck der Gravenbrucher Bürgerschaft und durch das entschlossene Handeln des damaligen Bürgermeisters Herbert Hunkel wurde eine kreative Lösung ins Leben gerufen: der Wochenmarkt auf dem Dreiherrnsteinplatz.
Bürgermeister Hunkel installierte den Markt als direkte Reaktion auf die Schließung des Tengelmanns. Schnell entwickelte sich der Markttag nicht nur zur Quelle für frische Lebensmittel, sondern zum wichtigsten sozialen Treffpunkt im Quartier – ein echtes Stück Lebensqualität, das die Wartezeit auf einen neuen Supermarkt überbrückte.
2017 bis 2019: Abriss, Neubau und die große Wende
Nach Jahren des zähen Ringens um die marode Galerie-Ruine kam 2017 endlich der Durchbruch:
- März 2017: Der symbolische Spatenstich beendete die Ära des Stillstands.
- September 2017: Die Abrissbirne schuf Platz für Neues. Der „Ex-Tengelmann“ verschwand endgültig aus dem Stadtbild.
- September 2019: Nach intensiver Bauphase feierte Gravenbruch die Eröffnung des modernen REWE-Marktes. Mit Café und Vollsortiment kehrte die gewohnte Bequemlichkeit zurück.
2023: Das Ende einer Ära
Doch der Erfolg des neuen REWE-Marktes hatte eine Kehrseite. Mit der neuen, umfassenden Versorgung direkt am Platz sanken die Kundenzahlen des Wochenmarktes kontinuierlich. Was einst als Rettungsanker in der Not geboren wurde, verlor seine wirtschaftliche Basis. Dies führte schließlich dazu, dass der Wochenmarkt im Herbst 2023 offiziell eingestellt wurde.
Von Tengelmann bis REWE: 15 Jahre Nahversorgung am Dreiherrnsteinplatz in Bildern














Die Meilensteine im Überblick (2010–2023)
| Datum / Zeitraum | Ereignis & Bedeutung |
| Mitte August 2010 | Schließung des Tengelmann-Marktes; Beginn der Versorgungskrise. |
| 2010 – 2019 | Netto (vormals Plus) sichert als einziger fester Markt die Grundversorgung. |
| Ab 2012 | Installation des Wochenmarktes durch Bürgermeister Herbert Hunkel (Bürgerinitiative). |
| September 2017 | Beginn des Abrisses der alten Forsthaus-Galerie. |
| September 2019 | Große Eröffnung des REWE-Marktes; Ende der jahrelangen Provisorien. |
| Herbst 2023 | Einstellung des Wochenmarktes aufgrund mangelnder Nachfrage. |

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